II.5. Wie man die Beschaffung plant und managt
Zusammenfassung
Wirksame Projektbeschaffung ist grundsätzlich eine Entscheidung über die Leistungserbringung und nicht lediglich eine kommerzielle Entscheidung. Der Erfolg externer Beschaffung hängt davon ab, Vertragsstrukturen mit der tatsächlichen Verteilung von Wissen, Risiko und Unsicherheit in Einklang zu bringen. Die Logik der Leistungserbringung eines Projekts muss stabilisiert sein, bevor die Beschaffung in Gang gesetzt wird. Andernfalls besteht die Gefahr, systemische Unsicherheit in die Ausführungsphase einzubauen.
Zu den wichtigsten Erkenntnissen des strategischen Beschaffungsmanagements gehören:
- Risikozuweisung: Risiko wird durch Verträge nicht beseitigt, sondern lediglich verlagert. Verfügt der Verkäufer über mehr Wissen als der Käufer, kann ein Festpreisvertrag die Exponierung verdecken statt sie zu reduzieren.
- Make-or-Buy-Analyse: Sie beurteilt, wo Wissen und Verantwortlichkeit liegen müssen, damit eine Lösung steuerbar bleibt, insbesondere bei proprietären oder stark integrationsabhängigen Komponenten.
- Informationsumfeld: Die Vertragswahl, etwa Festpreis-, Kostenerstattungs- oder Hybridvertrag, muss dem Kenntnisstand über Inhalt und Umfang folgen. Ein starrer Vertrag bei unsicherem Inhalt und Umfang verwandelt Mehrdeutigkeit in spätere Ansprüche und Streitigkeiten.
- Systemische Integration: Beschaffungsentscheidungen, Überwachungsmechanismen und Eskalationswege müssen als eine kohärente Lösung der Leistungserbringung funktionieren und nicht als Sammlung isolierter Vereinbarungen.
- Führung und Aufsicht nach Zuschlag: Vertragsmanagement ist eine fortlaufende Disziplin. Die technische Abnahme von Liefergegenständen unterscheidet sich vom formalen Vertragsabschluss, und Leistung muss sowohl an der Qualität der Ausgangswerte als auch am Compliance-Verhalten gemessen werden.
I. Strategische Planung und Grundlagen der Beschaffung
1. Vorrang der Beschaffungsplanung
Beschaffungsplanung beginnt lange vor der Marktansprache. Sie beginnt, wenn der Projektmanager definiert, was externe Fähigkeiten erreichen müssen, und identifiziert, was das Projekt durch ihre Nutzung verlieren oder komplizierter machen könnte. Planung ist am robustesten, wenn sie bewertet, wie externe Beteiligung Steuerung, Wissen, Anreize und Integration beeinflusst.
2. Make-or-Buy-Analyse
Diese grundlegende Entscheidung bestimmt, ob Arbeit intern bleibt oder dem Markt übertragen wird. Sie darf keine reflexhafte Entscheidung aufgrund vermeintlicher Geschwindigkeit oder Kosten sein.
- Insourcing: Vorzuziehen, wenn die Arbeit von implizitem organisatorischem Wissen oder proprietärer Systemlogik abhängt, die sich nicht leicht in Dokumente übersetzen lässt.
- Outsourcing: Geeignet für modulare, gut spezifizierte Arbeit mit klaren Schnittstellen.
- Risiko der Fehlausrichtung: Wissensintensive Arbeit an eine Partei auszulagern, die ständig Klärung benötigt, reduziert Komplexität nicht, sondern verschiebt sie an einen Übergabepunkt zwischen Parteien mit ungleichem Wissen.
3. Beschaffungsstrategie und Transparenz der Lieferkette
Eine Beschaffungsstrategie muss über den primären Verkäufer hinausgehen und Verwundbarkeiten in der vorgelagerten Lieferkette identifizieren.
- Abhängigkeitsmuster: Die Risikoanalyse muss geografisch konzentrierte Quellen oder Transportverwundbarkeiten berücksichtigen.
- Einbindungsmodelle: Die Strategie sollte alternative Beschaffungsoptionen, Bestandsreserven und erhöhte Berichtspflichten vorsehen, wenn eine Konzentration in der vorgelagerten Lieferkette die Kontinuität bedroht.
II. Arbeit definieren und Strategie finalisieren
1. Leistungsbeschreibung der Beschaffung/Lastenheft (SOW)
Die SOW muss zum aktuellen Kenntnisstand über Inhalt und Umfang passen. Eine vorzeitige Festschreibung bei Unsicherheit führt zu einer Kette von Problemen: unterschiedliche Interpretationen während der Angebotsphase, Preisvarianz in Vorschlägen und schließlich vertragliche Reibung und Ansprüche während der Ausführung.
|
Zustand von Inhalt und Umfang |
Empfohlener SOW-Ansatz |
|
Stabile Anforderungen |
Präzise Beschreibung zur Reduzierung von Varianz und Unterstützung klarer Preisbildung. |
|
Entstehender/unsicherer Inhalt und Umfang |
Gestufte Erkundung, definierte Genehmigungspunkte und adaptive Abnahmelogik. |
2. Vertragsarten und Anreizlogik
Die Vertragswahl sollte eine diagnostische Beurteilung des Informationsumfelds sein und keine Präferenz für eine bestimmte finanzielle Haltung.
- Festpreisverträge: Am besten für begrenzten Inhalt und Umfang, bei dem der Verkäufer das primäre Kostenrisiko trägt. Dazu gehören Varianten mit Fixed-Price Incentive Fee (FPIF).
- Kostenerstattungsverträge: Geeignet für Umgebungen mit hoher Unsicherheit, in denen der Käufer das Kostenrisiko trägt und disziplinierte Überwachung erforderlich ist. Varianten umfassen Cost-Plus-Incentive-Fee (CPIF) und Cost-Plus-Award-Fee (CPAF).
- Time and Materials (T&M): Nützlich bei unsicherem Inhalt und Umfang, erfordert jedoch enge Überwachung, da die Kosten mit dem Aufwand steigen.
- Target-Cost-Vereinbarungen: Nutzen eine gemeinsame Formel für Einsparungen oder Überschreitungen, um Anreize von Käufer und Verkäufer auszurichten.
- Spezialisierte Ansätze: Agile Verträge nutzen Iterationen für gestufte Verpflichtungen; ergebnisbasierte Verträge vergüten Ergebnisse statt Eingangswerte.
3. Die kohärente Lösung der Leistungserbringung
Einzelne Beschaffungsentscheidungen müssen gemeinsam geprüft werden, damit sie ein steuerbares System bilden. Eine kohärente Lösung klärt Befugnisgrenzen für Entscheidungen, definiert Verantwortlichkeiten an Übergabepunkten und etabliert Wege der Führung und Aufsicht zur Integration von Wiederherstellungsmaßnahmen über interne und externe Teams hinweg.
III. Prozess der Lieferantenauswahl
1. Ausschreibungsinstrumente
Die Wahl des Angebotsdokuments bestimmt, welche Informationen der Markt dem Käufer offenlegt.
- Request for Information (RFI): Dient zur Erkundung von Marktfähigkeiten und Optionen.
- Request for Quotation (RFQ): Geeignet für standardisierte, klar definierte Anforderungen, bei denen der Preis das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist.
- Request for Proposal (RFP): Erforderlich, wenn technischer Ansatz, Managementlogik und Risikobehandlung die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind.
2. Vergleichbarkeit und Fairness sicherstellen
Fairness im Angebotsprozess schützt die Qualität der Entscheidung. Bieterkonferenzen und formale Klarstellungen sind wesentlich, damit alle Parteien dasselbe Projekt bepreisen. Andernfalls kann ein niedriges Angebot lediglich eine andere und möglicherweise falsche Interpretation der Anforderungen widerspiegeln.
3. Bewertung und Lieferantenauswahl
Eine belastbare Auswahl erfordert vorab definierte Kriterien, die das spezifische Risikomuster des Projekts widerspiegeln.
- Bewertungskriterien: Können Lebenszykluskosten, technische Fähigkeiten, finanzielle Leistungsfähigkeit, bisherige Leistung, Rechte an geistigem Eigentum und Nachhaltigkeitsnachweise umfassen.
- Auswahlmethoden:
- Niedrigste Kosten: Geeignet für routinemäßige, eng spezifizierte Arbeit.
- Qualitätsbasiert: Technische Angebote werden zuerst bewertet; der Preis wird nur mit dem bestbewerteten Anbieter verhandelt.
- Festes Budget: Bestes technisches Angebot innerhalb eines offengelegten Budgets.
- Single Source: Nur wenn ein Lieferant über exklusive Rechte oder Kompetenzen verfügt.
IV. Verhandlung und Abschluss von Vereinbarungen
1. Den Einigungsraum analysieren
Verhandlungen scheitern, wenn Parteien sich auf Positionen, also Forderungen, statt auf zugrunde liegende Interessen konzentrieren, also darauf, was sie schützen wollen.
- BATNA (Best Alternative to a Negotiated Agreement): Definiert die Grenze, unterhalb derer eine Partei keiner Vereinbarung zustimmen sollte.
- ZOPA (Zone of Possible Agreement): Der Bereich, in dem sich die Grenzen beider Parteien überschneiden und eine Einigung möglich ist.
2. Verhandlungsstrategie auswählen
- Distributives Verhandeln: Wettbewerbsorientierter Ansatz für kurze, standardisierte Beschaffungen mit geringer Abhängigkeit.
- Kooperative Strategie: Erforderlich für langfristige Beziehungen mit hoher technischer Interdependenz, in denen gemeinsame Problemlösung notwendig ist.
V. Management und Leistung nach Zuschlag
1. Leistung gegenüber Compliance überwachen
Ein Lieferant kann sichtbare Meilensteine erreichen und zugleich Verhaltensweisen der Führung und Aufsicht vernachlässigen, die dem Käufer ermöglichen, Risiko zu erkennen.
- Leistungsbeurteilungen: Analysieren Trends und Korrekturmaßnahmen.
- Beschaffungsaudits: Bewerten die Wirksamkeit des Beschaffungsprozesses selbst.
- Inspektionen: Verifizieren, dass physische oder digitale Ausgangswerte den Anforderungen entsprechen.
- Privity: Alle Anweisungen an Unterauftragnehmer müssen über den Hauptauftragnehmer laufen, um rechtliche Integrität und Verantwortlichkeit zu erhalten.
2. Abwicklung von Ansprüchen
Ansprüche müssen als Disziplin von Führung und Aufsicht behandelt werden. Der Projektmanager sollte jeden Anspruch anhand folgender Punkte beurteilen:
- dokumentierte Vertragsbedingungen und genehmigte Änderungen;
- Kommunikationshistorie und Leistungsaufzeichnungen;
- dokumentierte Kausalkette, etwa ob ein verspäteter Eingangswert des Käufers die Verzögerung des Lieferanten verursacht hat.
3. Verifikation und Vertragsabschluss
Der Abschluss ist ein eigener Meilenstein der Führung und Aufsicht und erfolgt erst nach der technischen Abnahme. Ein Vertrag ist nicht geschlossen, wenn die Arbeit endet, sondern wenn sämtliche Verpflichtungen beendet sind.
- Abschlussanforderungen: Begleichung aller Rechnungen, Finalisierung von Gewährleistungen und Garantien, Archivierung von Unterlagen und formale Dokumentation der Arbeit des Lieferanten.
- Risiko unvollständigen Abschlusses: Wird ein Vertrag nicht formal geschlossen, bleibt die Organisation zukünftigen Ansprüchen oder ungelösten rechtlichen Verpflichtungen ausgesetzt, selbst wenn das Projekt funktional abgeschlossen ist.
Nicht auswendig lernen. Beginnen Sie zu denken.
Analysieren Sie Szenarien. Navigieren Sie durch Kontexte. Erkennen Sie Fallen.
Für:
- PMP®-Kandidaten
- Projektleiter
- PMO-Leiter
- Führungskräfte von Projektleitern
- Programmmanager
- Führungskräfte und Sponsoren
Auf Amazon erhältlich als Taschenbuch und E-Book –> Vorschau
Komplette E-Learning-Lösung direkt beim Autor erhältlich, einschließlich Quizfragen, Probeprüfungen, Hörbuch, anregender Debatten, Videos und vollständigem Buchtext.
Demo: https://pmprep.de
Kontakt zum Autor: Orlando@Casabonne.com
Related pages
Part I. Leading people
I.1. How to develop a common vision
I.3. How to lead the project team
I.4. How to engage stakeholders
I.5. How to align stakeholder expectations
I.6. How to manage stakeholder expectations
I.7. How to ensure knowledge transfer
I.8. How to plan and manage communication
Part II. Managing processes
II.1. How to develop an integrated project management plan and plan delivery
II.2. How to develop and manage project scope
II.3. How to ensure value-based delivery
II.4. How to plan and manage resources
II.5. How to plan and manage procurement
II.6. How to plan and manage finance
II.7. How to plan and optimize quality of products and deliverables
II.8. How to plan and manage schedule
II.9. How to evaluate project status
II.10. How to manage project closure
Part III. Navigating the business environment
III.1. How to define and establish project governance
III.2. How to plan and manage project compliance
III.3. How to manage and control changes
III.4. How to remove impediments and manage issues
III.5. How to plan and manage risk
III.6. How to ensure continuous improvement
III.7. How to support organizational change
III.8. How to evaluate external business environment changes
Páginas relacionadas
Parte I. Liderar personas
I.1. Cómo desarrollar una visión común
I.2. Cómo gestionar conflictos
I.3. Cómo liderar al equipo del proyecto
I.4. Cómo involucrar a los interesados
I.5. Cómo alinear las expectativas de los interesados
I.6. Cómo gestionar las expectativas de los interesados
I.7. Cómo asegurar la transferencia de conocimiento
I.8. Cómo planificar y gestionar la comunicación
Parte II. Gestionar los procesos
II.1. Cómo desarrollar un plan integrado para la dirección del proyecto y planificar la entrega
II.2. Cómo desarrollar y gestionar el alcance del proyecto
II.3. Cómo garantizar la entrega basada en el valor
II.4. Cómo planificar y gestionar los recursos
II.5. Cómo planificar y gestionar las adquisiciones
II.6. Cómo planificar y gestionar las finanzas
II.7. Cómo planificar y optimizar la calidad de los productos y entregables
II.8. Cómo planificar y gestionar el cronograma
II.9. Cómo evaluar el estado del proyecto
II.10. Cómo gestionar el cierre del proyecto
Parte III. Navegar el entorno empresarial
III.1. Cómo definir y establecer la gobernanza del proyecto
III.2. Cómo planificar y gestionar el cumplimiento del proyecto
III.3. Cómo gestionar y controlar los cambios
III.4. Cómo eliminar impedimentos y gestionar incidentes
III.5. Cómo planificar y gestionar los riesgos
III.6. Cómo asegurar la mejora continua
III.7. Cómo apoyar el cambio organizacional
III.8. Cómo evaluar los cambios en el entorno empresarial externo
Orlando Casabonne | Langemarckstrasse 112 | D-79100 Freiburg | Germany | +49 (0)761 707 30 19 | Orlando@Casabonne.com | LinkedIn